„Stopp. Es ist genug.“ – Was mir ein Pferd über das Sterben gezeigt hat
Es gibt so Momente, die treffen dich mitten ins Herz.
Und du merkst: Du bist noch gar nicht bereit – aber das Leben fragt dich nicht.
Ich möchte dir heute von einer ganz berührenden Erfahrung erzählen, die wir als Familie vor ein paar Wochen gemacht haben.
Es geht um ein Pferd. Um Rocky.
Das Pflegepferd meiner Tochter.
Sie hatte sich das so sehr gewünscht – gar nicht zum Reiten, sondern um sich zu kümmern, da zu sein, zu lieben. Und dieser Rocky war wirklich ein ganz besonderer Kerl. So eine richtig coole Socke. Eine unfassbar schöne Energie, wach, präsent, irgendwie gleichzeitig jung und doch total souverän.
Ich war ehrlich gesagt ziemlich überrascht, wie alt er tatsächlich war, weil er sich überhaupt nicht so angefühlt hat.
Meine Tochter war jeden Tag bei ihm.
Ihre Welt hat sich wirklich um ihn gedreht.
Er hatte körperlich schon länger Themen, vor allem mit den Beinen, Hüfte, Becken. Reiten ging nicht mehr. Es ging einfach darum, ihm einen schönen Lebensabend zu schenken.
Und zwischen den beiden ist eine unglaublich innige Verbindung entstanden.
Und dann kam plötzlich diese Nachricht.
Dass er eingeschläfert wird.
Von jetzt auf gleich.
Ich sag dir ganz ehrlich:
Mir hat das komplett den Boden unter den Füßen weggezogen.
Ich war sofort in diesem Gedanken von:
Das kann doch nicht sein. Da muss man doch noch was tun können.
Ich hab einen Tag gebraucht, um das für mich zu sortieren, bevor ich es meiner Tochter gesagt habe.
Und als ich es ihr gesagt habe, ist für sie die Welt zusammengebrochen.
Sie hat geweint, wir haben zusammen geweint, und dann kam die Wut.
Sie hat mich angeschrien, mich rausgeschickt.
Ich hab sie gelassen.
Hab vor ihrer Tür gesessen und war einfach da.
Später sind wir gemeinsam zu Rocky gefahren.
Ich hatte ja schon oft mit ihm kommuniziert, auch energetisch mit ihm gearbeitet. Und diesmal bin ich mit dieser inneren Haltung hingegangen, dass ich das noch nicht akzeptieren kann.
Und genau das hat er mir gespiegelt.
Er wurde sehr deutlich.
Er hat mir in die Hand gebissen. Nicht schlimm – aber klar genug, dass ich es verstanden habe.
Ein klares: Stopp.
Und dann kam diese Klarheit von ihm:
Es ist richtig so.
Ich kann nicht mehr.
Ich habe solche Schmerzen.
Es ist genug.
Und in dem Moment wurde mir so bewusst, wie sehr ich noch im Machen war. Im Helfen wollen. Im Verhindern wollen.
Und er hat mir gezeigt:
Lass das.
Als ich das wirklich angenommen habe, wurde er sofort wieder weich.
Liebevoll. Ruhig. Ganz sanft – vor allem meiner Tochter gegenüber.
Und da wurde mir klar:
Es ist nicht meine Entscheidung.
Es ist nicht meine Verantwortung.
Es geht darum, seinen Wunsch zu achten.
Ab da hatte ich eine ganz andere Klarheit in mir.
Und konnte meine Tochter auch ganz anders begleiten.
Die Tage danach war sie jeden Tag bei ihm.
Hat jede Minute genutzt.
Hat ihn verwöhnt, ihm Kekse gebacken.
Und es war so schön zu sehen, wie ihre Verbindung noch tiefer geworden ist.
Als der Tag dann kam, war es für sie der schlimmste Tag ihres Lebens.
Sie war bis zum Schluss bei ihm.
Und hat das so unglaublich stark gemacht.
Ich war währenddessen und danach mit ihm in Verbindung.
Und ich konnte direkt wahrnehmen, wie befreiend es für ihn war, seinen Körper zu verlassen. Diese alte, schmerzhafte Hülle abzustreifen.
Da war so viel Leichtigkeit. So viel Frieden.
Und gleichzeitig natürlich dieser Moment von:
Jetzt ist er wirklich gegangen.
Meine Tochter hatte viele Fragen.
Wie geht es ihm jetzt?
Wo ist er?
Wie fühlt sich das an?
Ich hab ihm die Fragen gestellt und ihr die Antworten gegeben.
Und trotzdem kam dieser Satz von ihr:
„Du bist meine Mama. Du würdest mir nichts sagen, was mir weh tut.“
Und das war so ehrlich.
Also habe ich eine Freundin gebeten, noch einmal mit ihm in Kontakt zu gehen.
Und sie hat genau das bestätigt.
Dass er frei ist.
Dass er sich leicht fühlt.
Dass es die richtige Entscheidung war.
Und dass es ihm nur schwer fällt, meine Tochter so traurig zu sehen.
Als sie das gehört hat, hat sich etwas verändert.
Ihr Gesicht wurde weich.
Ihr Körper hat losgelassen.
Und sie konnte sich mit ihm freuen.
Heute spricht sie von ihm mit leuchtenden Augen.
Sie träumt von ihm.
Sie spricht mit ihm.
Für sie ist er nicht weg.
Und genau das ist etwas, was ich immer wieder sehe:
Dieses Thema Tod ist so voller Angst.
Die Angst, das nicht zu überleben.
Die Angst, dass alles vorbei ist.
Und gleichzeitig ist da so viel Verbindung.
So viel, was bleibt.
So viel, was weitergeht.
Und genau dafür braucht es Räume.
Räume, in denen alles da sein darf.
Die Trauer. Die Wut. Die Angst.
Und gleichzeitig die Liebe. Die Verbindung. Die Freude.
Aus genau diesem Wunsch heraus ist ein Raum entstanden:
Ein Raum für diesen Weg.
Für diese Begleitung.
Für dieses Dasein.
Wenn du merkst, dass dich dieses Thema berührt, dann schau dir “In Liebe bis zum Schluss” gerne an. 🤍