Fritz hat mir gezeigt, dass Loslassen kein Verlust ist

Titel: Fritz hat mir gezeigt, dass Loslassen kein Verlust ist

Hallihallo, du Liebe.

Ich möchte dir heute eine Geschichte erzählen. Sie ist mir unter die Haut gegangen, und sie beschäftigt mich noch immer, wenn ich abends im Bett liege und nochmal alles Revue passieren lasse. Es ist die Geschichte von Tina und ihrem Kater Fritz. Namen geändert, mit ihrem Einverständnis – die Geschichte selbst aber ist echt. Jedes Wort.

Ich erzähle sie dir, weil ich glaube, dass viele von euch sich darin wiederfinden werden. Nicht unbedingt in den Details. Aber in dem Gefühl.

Wie alles begann

Tina hat Fritz bekommen, da war er gerade mal drei Jahre alt. Und von Anfang an war klar: das ist keine "normale" Katze, die einfach mit im Haus wohnt. Fritz war ihr Anker. Ihr Fels. Sie hat mal zu mir gesagt, er sei ihr Engel im Katzenkörper gewesen – und wenn du ihre Geschichte kennst, verstehst du auch warum. Er kam in ihr Leben, als sie in einer Beziehung feststeckte, die ihr nicht guttat, und aus der sie einfach nicht rauskam. Und dann, mit ihm an ihrer Seite, ging es. Auf einmal. Ganz leicht.

15 Jahre waren die beiden ein Team. Pech und Schwefel. Wo sie war, war er. Wo er war, war sie. Er ist abends bei ihr eingeschlafen, den Kopf in ihrer Hand. Ist nachts raus in die Dunkelheit, und morgens um 5 Uhr pünktlich wieder da, um sie zu wecken und mit ihr in den Tag zu starten. Yoga, Sport, Blödsinn, Tränen – sie haben alles zusammen gemacht.

Und dann kam eine Zeit, in der Tina einfach nicht mehr alles halten konnte.

Wenn das Leben zu voll wird

Ich erzähl dir jetzt nicht jedes Detail, das würde den Rahmen hier sprengen. Nur so viel: Tina stand in dieser Zeit vor einer der schwersten Aufgaben, die das Leben uns überhaupt stellen kann. Ein geliebter Mensch, der langsam Abschied nimmt. Und Tina war eine von mehreren, die sich die Betreuung geteilt haben, neben ihrem Vollzeitjob, neben allem, was sonst noch das Leben ausmacht.

Du kannst dir vorstellen, was das bedeutet. Man steht früh auf, geht arbeiten, kommt heim und ist sofort wieder im Einsatz. Man funktioniert. Man ist für alle da. Und irgendwann merkt man: für sich selbst bleibt nichts mehr übrig. Und für die, die eigentlich immer da waren, auch nicht.

Fritz hat das gespürt. Katzen spüren sowas, das weißt du ja auch, wenn du selbst mit einem Tier lebst, das dich schon lange kennt. Er kam anfangs noch regelmäßig vorbei, hat sich zu der Person gesetzt, um die sich Tina kümmerte, hat sich streicheln lassen. Aber mit der Zeit wurde es weniger. Er zog sich zurück. Lag lieber unterm Bett. Und irgendwann kam er gar nicht mehr ins Haus.

Und dann hat er aufgehört zu essen.

Die Angst, es nicht richtig zu machen

Tina war verzweifelt. Sie hat alles versucht. Ist mit ihm zum Tierarzt, mehrfach. Hat ihn zwangsernährt, mit der Spritze, weil er einfach nichts mehr freiwillig zu sich nahm. Hat Cortison bekommen, VomiSan, das er überhaupt nicht mochte. Die Tierarztkosten sind ihr über den Kopf gewachsen – über 1.000 Euro seit dem letzten Herbst, und dann nochmal 600. Sie hat sogar ein GoFundMe gestartet. 110 Euro sind zusammengekommen.

Und dann kam bei einer Untersuchung noch ein Verdacht auf ein Gebilde im Bauchraum dazu. Tumor, vielleicht. Man wusste es nicht genau.

Ich möchte an dieser Stelle kurz innehalten, weil mir das wichtig ist. Tina hat mir geschrieben, ihr Kopf würde explodieren, weil sie das Gefühl hatte, versagt zu haben. Weil sie sich vorwarf, sich mal eine neue Jeans gekauft zu haben, statt das Geld zurückzulegen. Weil sie dachte, sie hätte Fritz verloren, weil sie nicht genug Geld hatte.

Du Liebe, wenn du das hier liest und dich darin wiedererkennst: das ist nicht wahr. Das ist die Angst, die spricht. Nicht die Wahrheit.

Was Fritz mir gezeigt hat

Als wir – Tina und ich – dann in die Tierkommunikation mit Fritz gegangen sind, war das erste, was ich empfangen habe, ganz klar und ganz ruhig: Es ist Zeit, sich zu verabschieden.

Aber nicht so, wie man erstmal denkt. Es war nicht in erster Linie ein Abschied von Tina. Fritz hat mir gezeigt, wie er sich schon verabschiedet hatte – von der Person, die er all die Wochen besucht hatte, sich zu ihr gesetzt, sich streicheln lassen hatte. Er hatte seinen Teil getan. Er hatte losgelassen. Und jetzt machte er Platz. Platz für Tina, damit sie ihre ganze Energie dorthin geben konnte, wo sie in diesem Moment gebraucht wurde – und nicht auf ihn.

Das fand ich so berührend. Dieses tiefe, selbstlose Verstehen, das Tiere oft haben und das wir Menschen uns manchmal schwer erarbeiten müssen.

Auf meine Frage, wie es ihm körperlich geht, kam ein Bild von Enge. Von Druck. Sein Körper fühlte sich an wie ein Ballon kurz vorm Platzen – zu eng, zu klein für das, was in ihm vorging. Er wollte raus aus diesem Körper.

Seelisch aber – und das ist der Unterschied, den ich in meiner Arbeit immer mache, zwischen Seele und Psyche – seelisch ging es ihm gut. Er war in Frieden mit dem, was kommt. Was ihm zu schaffen machte, war nicht sein eigener Zustand. Es war, Tina so leiden zu sehen.

Er hat mir gezeigt, wie er sie sieht: nicht gebrochen, nicht kapitulierend, sondern zurückgelehnt, tief atmend, im Vertrauen. Draußen, im Freien, an einem ruhigen Ort. Glücklich lächelnd. Präsent bei sich selbst. Das war das Bild, das er mir immer wieder gezeigt hat – nicht wie es ist, sondern wie er es sich für sie wünscht.

Auf die Frage, ob es noch eine Möglichkeit gäbe, dass er die vereinbarten 18 Jahre erreicht, kam ein klares Nein. Schwer zu übermitteln, das weißt du, wenn du meine Arbeit kennst. Aber ehrlich zu bleiben, gehört für mich immer dazu.

Und dann kam das, was mich am meisten berührt hat. Sein Zeichen, sagte er, ist sein Gehen selbst. Das Zurückziehen, das Aufhören zu essen – das war schon die Antwort. Festhalten, Zwangsernähren, Symptome unterdrücken: das würde es niemandem leichter machen. Er verstand, warum Tina das tat. Aber er war ganz klar darin, dass es ihm nicht half, ihn hierzubehalten.

Die Erlaubnis

Was Fritz Tina mitgeben wollte, war eigentlich ganz einfach, auch wenn es das Schwerste ist, was man einem geliebten Tier je sagen muss: Du darfst mich gehen lassen.

Er hat ihr gezeigt, wie sehr er sie liebt. Wie stolz er auf sie ist, für alles, was sie durchgemacht und woraus sie herausgewachsen ist. Er wollte, dass sie sich selbst wertschätzt, so wie sie ist. Dass sie sich nie wieder verrät, so wie sie es früher vielleicht getan hat. Dass sie weiß: sie schafft das. Nicht weil er nicht mehr da ist, sondern weil sie längst so weit ist.

Als ich Tina am Ende unseres Gesprächs gefragt habe, ob sie ihm etwas sagen möchte, hat sie ihm gedankt. Dafür, dass er ihr Kater war. Dass er ihre Launen ertragen und ihr so viel Liebe gegeben hat. Und sie hat gehofft, ihn nie enttäuscht zu haben.

Fritz hat darauf, das kann ich dir sagen, mit einem zutiefst zufriedenen Lachen geantwortet. Nein. Auf keinen Fall. Es war ihm eine Ehre.

Was danach geschah

Ich will dir auch erzählen, wie es weiterging, weil es mich so sehr berührt hat.

In den Tagen nach unserem Gespräch kam Fritz von selbst wieder mehr zu Tina. Hat sich zu ihr gesetzt. Ist ihr gefolgt. Es gab Momente, in denen es schien, als würde es ihm sogar wieder etwas besser gehen – vielleicht durch das Cortison, vielleicht aus einem anderen Grund. Tina hat mit sich gerungen. Immer wieder kamen die Zweifel zurück. Soll ich doch nochmal zum Arzt? Tue ich genug? Tue ich zu viel?

Das kenne ich von so vielen Menschen, die in dieser Phase mit ihrem Tier sind. Diese tausend Stimmen im Kopf, die alle etwas anderes sagen. Und keine einzige, die einem die Entscheidung wirklich abnimmt.

Am Ende hat Tina die Entscheidung getroffen, die für sie stimmig war. Ganz allein. Ich habe ihr dabei nur gespiegelt, was ich ohnehin sehen konnte: dass sie es kann. Dass sie sich selbst vertrauen darf.

Was ich daraus mitnehme

Diese Geschichte hat mir – wieder einmal – gezeigt, wofür ich diese Arbeit mache.

Es geht nicht darum, dass ich einem Tier eine Stimme leihe, die dann sagt, was der Mensch hören will. Es geht darum, sichtbar zu machen, was zwischen zwei Seelen ohnehin längst da ist. Die Verbindung war zwischen Tina und Fritz nie weg. Sie war nur verdeckt von Angst, von Erschöpfung, von Schuldgefühlen, die uns Menschen so oft einholen, wenn wir eigentlich schon alles geben.

Wenn du selbst gerade an so einem Punkt stehst – mit deinem Tier, mit dir selbst, mit einer Entscheidung, die sich unmöglich richtig anfühlen will, egal wie du sie triffst: du bist nicht allein damit. Und du musst nicht alles alleine wissen.

Manchmal reicht es, kurz innezuhalten. Tief durchzuatmen. Und wirklich hinzuhören, was da eigentlich schon längst gesagt wird.

Ich danke Tina, dass sie mir erlaubt hat, diese Geschichte mit dir zu teilen. Und ich danke Fritz, für all das, was er ihr – und mir – gezeigt hat.

Von Herzen, deine Ellen

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Diese Tierkommunikation hat meine Sicht auf den Tod verändert